AD(H)S

 

Zunächst ein Wegweiser durch den Begriffsdschungel:

 

ADS, Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom ist eine der bekanntesten Bezeichnungen.

ADHS, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyper/Hypoaktivitätsstörung ist der derzeit aktuelle Name.

 

Hier wird bereits deutlich, dass nicht zwangsläufig auch eine Hyperaktivität, das heißt motorische Unruhe, bestehen muss. Etwa ein Drittel der Betroffenen zeigt diese Symptomatik nicht, sondern wirkt eher ruhig, verträumt, in sich gekehrt.

 

Bei der AD(H)S besteht eine sogenannte Reizfilterschwäche. Es werden weitaus mehr Informationen aufgenommen, als gerade verarbeitet werden können. - In Situationen jedoch, in denen etwas ihr Interesse geweckt hat, kann es bei AD(H)Slern zum sogenannten Hyperfokussieren kommen. Das heißt, sie sind völlig in ihre Tätigkeit versunken, nicht mehr ansprechbar, für andere nicht „erreichbar“ und vergessen alles andere um sich herum.

 

 

 

 

 „Die medizinische Wissenschaft

hat in den letzten Jahrzehnten

 so ungeheure Fortschritte gemacht,

dass es praktisch keinen

gesunden Menschen mehr gibt."

Aldous Huxley

 

Bei AD(H)S gelingt also die optimale Einstellung zur Aufnahmefilterung von Reizen nicht. Da zu viele Eindrücke von außen einströmen, die Reizverarbeitung jedoch schwierig ist, könnte man es daher statt ADS = Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom eigentlich auch als  „AZS“, nämlich „Aufmerksamkeits-Zuviel-Syndrom“ bezeichnen ...

 

Im Gehirn, der Verarbeitungszentrale, gelangen die Informationen zunächst in einen Arbeitsspeicher. Wir kombinieren die Informationen mit Gedanken, Erinnerungen und Gefühlen, sortieren diese und reagieren dann gezielt und kontrolliert. Genau das ist für AD(H)Sler ein Problem: Es kommt zu einer sogenannten Impulssteuerungsschwäche. Bei AD(H)S reicht der Arbeitsspeicher nicht aus, um die Fülle von Informationen zu verarbeiten. Viele Informationen gehen verloren, bevor sie nutzbar verwertet werden können. Entsprechend unangemessen und für Außenstehende unverständlich sind dann häufig Verhalten und Reaktionen der AD(H)Sler.

 

Die immer häufiger gestellte AD(H)S-Diagnose ist jedoch auch in Fachkreisen nicht ganz unumstritten. Unsere „Schnellfeuerkultur“ führt mit ihrer Forderung nach „Multitasking“ zu einem beschleunigten Lebenstempo mit einer oft überfordernden Aufgabenfülle und Reizüberflutung. Für uns alle entstehen daraus vielfältige gesundheitliche Gefährdungen.

 

Bei einer therapeutischen Begleitung hat daher auch das Expertentum der AD(H)S-Betroffenen selbst einen besonderen Stellenwert: Diese wissen oft ausgesprochen genau, was ihnen gut bzw. schlecht bekommt. Dieses Wissen wieder zugänglich zu machen, ist im Rahmen einer Therapie von entscheidender Bedeutung und zutiefst heilsam. Zur eigenen Mitte (zurück) zu finden, ist auch für Nicht-Betroffene und/oder Angehörige Weg weisend und bedeutet immer eine Stärkung des Selbstwertgefühls und einen Gewinn an Lebensqualität.

 

Auf diesem Weg begleite ich Sie als Betroffene oder Angehörige gern!